SY Charisma
Hallberg-Rassy 382

Alles begann mit einer Idee...

Nachdem wir die huntertausendsten YouTube Reiseblogs von anderen Langzeitseglern/Weltumseglern gesehen hatten, fragten wir uns: Wann, wenn nicht jetzt, sollen wir auch damit starten? Der Traum war schon lange da. Das Boot extra so ausgesucht. Der erste längere Testtörn über 3 Monate war mit viel Erfolg und Glückshormonen absolviert. Ja klar, Job kündigen, schon ein Risiko und auch nicht einfach, die netten Kollegen zu verlassen und die Familie und Freunde -> Aber wie verlockend ist ein Seglerleben ohne Zeitdruck? Jedenfalls so verlockend, dass drei Seiten Excel-Berechnungen der Finanzen endlich so hingerechnet waren, dass wohl alles passen könnte. Eine Garantie? Nein, die gibt es in unserem neuen Leben natürlich nicht. Aber wir wollten das! Das Boot wurde letzten Winter 2020/2021 auf Langfahrt umgerüstet (Wassermacher und Windsteueranlage sind nur einige der Dinge, die wir geändert haben). Und ich kann Euch sagen -> das war am Ende auch etwas stressig und hat mehr Geld verschlungen, als veranschlagt. Die letzten Arbeiten sind immer noch nicht abgeschlossen und es kommen auch immer wieder welche dazu; SEGLER(er)LEBEN halt! Am Leben gehalten haben uns die Microseminare bei Trans Ocean. Ein wirklich cooler Verein (weltweit 5.000 Mitglieder), die ehrenamtlich viele Seminare für Langfahrer/Lossegler/Weltumsegler via Zoom (aufgrund C.ro.n.) abgehalten haben und uns damit bestens vorbereitet haben. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an das TO-TEAM (auch wenn ihr die Liste der "ToDo's um ein vielfaches erhöht habt ;-))

Juni 2021 - > der Start der Reise:

Wir sind 05.06.2021 am Anfang unserer Reise. Am Steiger beim Tiessenkai übernachteten wir (erstmal wech..). Das erste Mal grillen an Bord wurde ausgiebig bei Sonne genossen.

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Am nächsten Morgen anmelden via Funke an der Schleuse und dann ging es tatsächlich schnell. Bei bestem Wetter ging es von Kiel aus an einem Tag durch den Nord-Ostsee-Kanal bis Brunsbüttel.

Von Brunsbüttel fuhren wir unter Motor mit ablaufendem Strom nach Cuxhaven, dort blieben wir zwei Tage. Wir trafen Segelkollegen von Trans Ocean, die das gleiche Schiff wie wir haben und mit denen wir im Winter bereits hin- und hergeschrieben hatten. Wir waren nett essen und hatten einen kurzweiligen Abend mit intensivem Austausch. Cuxhaven ist übrigens eine Reise wert! Nette Stadt mit nettem Ambiente, vielen Geschäften und Bäckereien mit leckeren Backwaren.

 

Weiter ging es von Cuxhaven nach Helgoland. Pleiten, Pech und Pannen: Unterwegs ist uns der Wasserschlauch vom Wasserfilter abgerauscht (der Skipper hat die Schelle nicht richtig festgezogen :-)) und mir kam sprudelnd das Wasser entgegen, nachdem ich die Schranktür aufgemacht habe. Was für ein Schreck!!! Augenblicklich ging auch der Bilge-Alarm los. Nachdem wir die Druckwasserpumpe abgestellt hatten, konnten wir die elektrische Bilgepumpe ausprobieren, die neu installiert war und einwandfrei funktionierte!

Nachdem wir Helgoland und die Insel Düne zu Fuß umrundet hatten, fuhren wir nach Wangerooge. Mit auflaufendem Wasser konnten wir den Hafen mit 1,94 Tiefgang gut anlaufen und der Hafenmeister hat uns eine Ecke zugewiesen, die nicht trocken fiel. Wobei man sagen kann, dass alle Yachten noch aufrecht standen, da der Boden aus mehreren Metern (?) Schlick besteht. Die Yachten sinken einfach ein und bleiben so stehen. Ihr lacht vielleicht, aber für mich als Ostsee-Seglerin war das nicht richtig klar  ;-)  .Wir blieben einen weiteren Tag auf Wangerooge, weil die Insel einfach toll ist. Mit der Inselbahn, die die Menschen von der Fähre abholt, kann man gut von der Marina ins Städtchen fahren (ca. 5-6 km). Zurück ging es über gepflegte und befestigte Wege inmitten durch die Natur mit Blick aufs Watt und die brütenden Vögel.

Von Wangerooge ging es weiter nach Norderney. Von Norderney segelten wir bei wenig Wind, später fuhren wir unter Motor mit wenig Diesel (Tanken auf Helgoland hat nicht geklappt, da wir erst einen Tanktermin am nächsten Tag erhalten konnte, wir aber vor dem Wochenendansturm und viel Wind wegwollten) nach Oost-Vlieland, eine vorgelagerte Insel in den Niederlanden. Wir haben einen Strandtag eingelegt, Wäsche gewaschen, eine Radtour unternommen und sind gewandert. 2 Tage sind wir dort geblieben. Es hätten auch mehr sein können, die Insel ist einfach wundervoll; viel Natur, toller Strand gleich neben der Marina, eine Dorfstraße mit vielen renovierten Fischerhäuschen, einigen Geschäften und Restaurants.

Am nächsten Tag ging es mit viel Rückenwind nach Makkum ins IJsselmeer. Als Geheimtip für einen Liegeplatz können wir den Vereinshafen gleich rechter Hand sehr empfehlen. Der Hafen ist kurz vor der exklusiven Marine (mit Swimmingpool!), aber nicht so teuer und mit sehr netten Hafenmeistern (der wird rundum von den Vereinsmitgliedern gestellt). Ein Gang in die City hat sich aus unserer Sicht nicht unbedingt gelohnt. Gleich am Hafen gibt es einen Super- und Getränkemarkt.

Von Makkum ging es auf dem IJsselmeer weiter nach Medemblik, wo es in der Nacht anfing zu regnen und auch den ganzen nächsten Tag bis in den späten Nachmittag nicht aufhörte. Keiner von uns wollte an Deck am Steuer stehen, deshalb blieben wir. Hier waren wir das erste Mal essen und haben wiederum ein Trans Ocean-Pärchen mit ihrer Malö kennengelernt. Wir hatten uns bereits kurz auf Oost-Vlieland getroffen. Man erkennt sich an dem Trans Ocean-Stander, der links am Mast platziert wird. Wir hatten einen netten Nachmittag und hatten viele Themen - unter anderem haben wir Unterstützung für die Blog-Erstellung erhalten -> Dafür noch mal vielen DANK!!! Medemblik hat ein nettes Städtchen, ein Kastell und herrlich angelegte Wanderwege durch die Natur. Es lohnt sich ein Abstecher dorthin!

Von Medemblik ging es nach Amsterdam in den fast leeren Sixthafen. Die Einfahrt ist sehr eng, kaum einzusehen und sehr spannend. Der Hafen jedoch sehr gut angelegt. Eine Fähre bringt uns in die City (kostenfrei). Das Anne Frank Museum hatte leider bereits geschlossen und auf die City hatten wir nach dem Inselleben keine Lust, deshalb ging es schnell wieder an Bord. Mit zwei Gläsern Gin und einem selbst gekochten Curry haben wir den Abend ausklingen lassen. Nächsten Tag ging es an die letzte Station vor der "Mordsee", nach IJmuiden in die Seaport Marina. Dazu mussten wir eine Schleuse und eine Brücke passieren -> alles wirklich easy. Nächsten Tag ging es um 06.30h (also faktisch vor dem Aufstehen) weiter nach Schnevedingen. Es war mal wieder schwachwindig und so machten wir unser neues Leichtwindsegel, den Oxley, fertig. Tolles Segel - wenn es denn erstmal steht! Tatsächlich haben wir es geschafft, alles ohne Tüddelüd hochzuziehen. Und dann machten auch die 3-4 Knoten Wind von achtern Spaß!!! In Schnevedingen sind wir dann einen Tag geblieben, aber nicht, weil es uns so gut gefallen hat, sondern weil wir aufgrund der Windverhältnisse nicht weiterkonnten. Der Weg zum Hafenmeister und zu den Sanitärräumen war extrem weit, alles über die Steganlage schön aussen rum. Wir hatten natürlich auch den vorletzten Platz zugewiesen bekommen! Na ja, wandern ist gesund und so haben wir dann auch viele Meilen abgerissen. Das Boot wurde abgespült, Wäsche gewaschen, E-Roller gemietet und damit rumgeheizt.

Am 26.6. verließen wir die Niederlande und machten uns auf nach Belgien, nach Blankenberge (58 sm). Viel haben wir von Blankenberge nicht gesehen, da wir relativ spät angekommen sind. Der Hafen ist von Hochhäusern umgeben und hat aber unheimlich schöne Kinderspielplätze. Na ja, was sollen die Kids auch sonst machen, außer Strand (der war in der Tat auch ganz schön!). Nächsten Tag wollten wir nach Boulogne-sur-Mer, leider ist uns unterwegs das Oxley-Fall rausgerauscht (hatten wir nicht richtig gesichert) und die Leine hat sich im Rollenblock zwischen Rolle und Rollenwand verhakt. Nichts ging mehr! Weder Segel rauf noch runter. Also musste ich noch während der Fahrt hoch in den Mast (war ja gottseidank wenig Wind) um den Oxley auszuhaken und das Fall zu sichern. 

 

 

 

 

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